Othering (vom englischen other — „anders“ oder „der Andere“) bezeichnet den psychologischen oder sozialen Prozess, bei dem „wir“ und „die anderen“ voneinander abgegrenzt und einander gegenübergestellt werden. Dabei wird eine Gruppe oder eine einzelne Person als fremd, anders, nicht normal oder „andersartig“ wahrgenommen und dadurch als weniger bedeutsam, weniger gleichberechtigt oder manchmal sogar als gefährlich betrachtet.
Im Russischen gibt es bislang keine einheitliche, allgemein etablierte Übersetzung des Begriffs Othering, doch häufig werden folgende Varianten verwendet:
- Stigmatisierung — betont das Anbringen negativer Etiketten.
- Feindbild — wenn es um Politik oder Konflikte geht.
- Entfremdungsprozess — betont die soziale Trennung.
- Hervorhebung des „Anderen“ — die dem Wortsinn am nächsten kommende Übersetzung.
- Ausgrenzung der „Fremden“ — eine Variante für soziale und ethnokulturelle Kontexte.
- Drugovanie (Neologismus) — ein russischer Neologismus, der gelegentlich in wissenschaftlichen Kreisen und Blogs als Versuch verwendet wird, ein möglichst genaues Äquivalent des englischen Begriffs zu schaffen.
Othering geht häufig einher mit:
- Stereotypisierung, wenn einer Gruppe verallgemeinerte negative Eigenschaften zugeschrieben werden, etwa „sie sind faul“ oder „sie sind aggressiv“.
- Schuldzuweisung, wenn die Erklärung lautet: „Sie sind an allem schuld.“
- Isolation oder Entfremdung von der Hauptgruppe.
- Verringerter Empathie gegenüber den „Anderen“.
Ein Beispiel: In Krisen, Katastrophen oder Konflikten entsteht häufig der Wunsch, „Schuldige“ zu finden — und diese sind nicht „wir“, sondern irgendwelche „anderen“: Migranten, eine andere politische Partei, Nachbarn, religiöse Minderheiten und so weiter. Wichtig ist außerdem zu verstehen, dass Othering sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene stattfinden kann.
Der Mechanismus „Wir gegen sie“
Othering beginnt mit einer einfachen Gegenüberstellung: „Wir sind normal — sie sind seltsam.“ Im Alltag kann das kaum auffallen: Wir vertrauen „den Eigenen“ eher und werden bei Begegnungen mit „Fremden“ automatisch vorsichtiger. Anders gesagt handelt es sich um eine natürliche kognitive Tendenz, bei der die Welt in zwei Gruppen eingeteilt wird:
- „Wir“ — die eigene Gruppe, sicher, verständlich, „normal“.
- „Sie“ — Fremde, Unbekannte, potenziell Gefährliche.
In prähistorischen Stammesgesellschaften konnten Fremde eine reale Bedrohung darstellen — sie konnten Krankheiten mitbringen, um Ressourcen konkurrieren oder angreifen. Die schnelle Unterscheidung zwischen „Eigenen“ und „Fremden“ wurde daher zu einem Überlebensmechanismus. Das primitive Gehirn reagierte nach dem Schema: „unbekannt → möglicherweise gefährlich“. Diese Einteilung hilft, schnell zu entscheiden, wer als Verbündeter und wer als Bedrohung gelten könnte. Gleichzeitig kann derselbe Mechanismus auch Vorurteilen, Diskriminierung und Konflikten zugrunde liegen.
Wie funktioniert das? Informationen über Menschen und Situationen werden schnell und oft unbewusst verarbeitet, unter anderem über Aussehen, Sprache, Geruch und Verhalten. Das hängt mit dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit zusammen — dem Wunsch, Teil einer Gruppe zu sein. Gleichzeitig kann ein „Fremder“ eine biologische Stress- oder Abwehrreaktion auslösen (Stress, Anspannung).
Die Geschichte der Menschheit ist zu einem erheblichen Teil eine Geschichte von Gewalt und Kriegen. Seit der Antike kämpften Stämme gegeneinander — die „Eigenen“ galten als Menschen, die „Fremden“ als Barbaren. Bei den alten Griechen bezeichnete das Wort „βάρβαρος“ (Barbar) diejenigen, die kein Griechisch sprachen — Menschen, die „nicht wie wir“ waren.
Im Mittelalter betrachtete das christliche Europa Muslime, Juden und Heiden häufig als „unrein“ und „fremd“. Auch Inquisition und Kreuzzüge wurden von Vorstellungen eines Kampfes gegen die „Anderen“ mitgetragen.
In der Neuzeit stützte sich der Kolonialismus teilweise auf die Gegenüberstellung des „zivilisierten Westens“ und der „Wilden“. Versklavung und Unterwerfung kolonisierter Bevölkerungen wurden durch eine Trennung zwischen „Menschen“ und „Fast-Menschen“ gerechtfertigt.
Das 20. Jahrhundert brachte eigene Formen dieses Mechanismus hervor. Das nationalsozialistische Deutschland errichtete eine genozidale Politik auf Vorstellungen „arischer Reinheit“ und dem Kampf gegen als „rassisch fremd“ definierte Menschen. In der Sowjetunion wurde die Kategorie der „Volksfeinde“ genutzt, um „Fremde“ innerhalb des Landes zu markieren.
Heute zeigt sich der Mechanismus „wir gegen sie“ unter anderem in der Politik (links/rechts), nationalen und migrationsbezogenen Konflikten (Migranten/Einheimische), Informationskonflikten (meine Wahrheit/die Falschmeldungen der anderen), im Internet (toxische Diskussionen, Cancel Culture) und sogar im Sport — etwa in Fangruppen (eigene Fans/Rivalen).
Warum ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein? Weil dieser alte Mechanismus in modernen Gesellschaften häufig Dialog, Integration und gegenseitiges Verständnis behindert. Er erzeugt falsche Gegensätze und vereinfachte, aber verzerrte Weltbilder. Wenn wir ihn bei uns selbst erkennen, entsteht die Chance:
- die Grenzen unserer Empathie zu erweitern,
- mit „Anderen“ in einen Dialog zu treten,
- unser Gefühl innerer und äußerer Sicherheit zu stärken.
Othering als Schutz vor Angst
Wenn Krisen auftreten — wirtschaftliche, politische oder persönliche — steigt die Angst. Es ist leichter, das Geschehen zu erklären, wenn man einen äußeren „Schuldigen“ findet. Wenn ein Mensch Angst hat, verunsichert ist oder leidet, sucht die Psyche nach schnellen Erklärungen und einfachen Auswegen. Othering kann zu einer solchen Reaktion werden: Wir projizieren innere Angst nach außen und finden „Schuldige“, die sie angeblich verursachen. So entstehen bequeme Erzählungen: „An allem sind die Migranten schuld“, „Diese Menschen zerstören unsere Traditionen.“
Angst ist ein Signal für Unsicherheit, Gefahr oder Kontrollverlust. Sie kann rational sein (reale Sorge um Gesundheit, Finanzen usw.) oder irrational (ein Gefühl von Unsicherheit ohne klaren Grund). Findet Angst keinen Ausweg oder keine Erklärung, kann sie sich innerlich verstärken. Dann greifen Abwehrmechanismen — psychologische Wege, mit Spannung umzugehen. Einer davon kann Projektion + Entfremdung sein: „Ich bin nicht schuld. Sie sind schuld. Sie machen mir Angst. Sie hindern mich am Leben.“

Wie funktioniert dieser Mechanismus? Angst entsteht durch Stress, soziale Instabilität und Unsicherheit. Gefühle von Hilflosigkeit, Schuld, Angst und Scham können sich ansammeln. Die Psyche sucht nach einer Möglichkeit, sich davon „zu reinigen“, und überträgt diese Gefühle auf eine äußere Gruppe. So entsteht die Vorstellung: „Wenn es sie nicht gäbe, wäre alles gut.“ Das vermittelt eine Illusion von Kontrolle und Klarheit: Es gibt eine konkrete Ursache der Probleme, die vermeintlich beseitigt werden kann.
Warum kann sich das hilfreich anfühlen, wenn auch nur vorübergehend? Es reduziert innere Spannung. Nun kann sich der Mensch als Opfer äußerer Kräfte erleben, statt sich mit eigenen Entscheidungen auseinanderzusetzen. Es schafft ein Gefühl von Ordnung. Die Welt wird wieder verständlich: „Wir sind gut, sie sind schlecht.“ Außerdem verbindet es die „Eigenen“. Gegen einen gemeinsamen „Feind“ lässt sich leichter Zusammengehörigkeit empfinden.
Doch all das ist eine Illusion von Sicherheit, die zu neuen Konflikten führen kann.
Beispiele aus dem Alltag
1. Im Alltag:
Eine Mutter sagt: „Mein Sohn hat schlechte Noten, weil der Lehrer ihn ständig benachteiligt.“ Das kann leichter sein, als anzuerkennen, dass der Sohn nicht lernt oder die Mutter selbst überlastet ist.
2. In der Gesellschaft:
Während der Pandemie entstanden Erzählungen wie: „An allem sind die Touristen schuld“, „bestimmte Nationalitäten sind schuld“ oder „die Behörden sind schuld“.
3. In der Politik:
Politische Führungspersonen können die Angst von Bürgern auf Gruppen lenken, die als „Schuldige“ dargestellt werden: Migranten, Opposition, Westen, Osten — je nach Situation.
All dies kann äußerst gefährlich sein, weil es:
- ein falsches Gefühl von Kontrolle aufrechterhält, ohne reale Probleme zu lösen.
- Hass, Feindseligkeit und Segregation verstärkt.
- Dialog zerstört — weil die „Anderen“ nicht mehr als gleichwertig wahrgenommen werden.
- den Weg zu persönlicher Verantwortung und reifer Entwicklung versperrt.
Entmenschlichung: Wenn die „Anderen“ nicht mehr als Menschen gesehen werden
Entmenschlichung ist ein Prozess, bei dem ein Mensch oder eine Gruppe nicht mehr als vollwertige Personen wahrgenommen wird. Stattdessen werden sie auf Bilder, Etiketten und Bedrohungssymbole reduziert. Das ist mehr als eine negative Einstellung — es bedeutet, die Menschlichkeit des anderen nicht mehr wahrzunehmen.
Dies kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen. Etwa durch Stereotype, wenn Menschen pauschale Eigenschaften zugeschrieben werden: „aggressiv“, „schmutzig“, „dumm“, „eine Gefahr für die Gesellschaft“. Es kann über Sprache geschehen, wenn an die Stelle der individuellen Person nur noch eine Kategorie tritt: ethnische oder politische Schimpfwörter, „alte Weiber“, „Bürokraten“, „die Masse“, „die da“. Diese Vereinfachung schafft Distanz. Möglich ist es auch durch Wiederholung: Wird dasselbe negative Bild in Medien, Gesprächen oder Memes immer wieder wiederholt, wird es irgendwann nicht mehr als Verzerrung wahrgenommen, sondern als normal. Eine weitere Form der Entmenschlichung ist der Vergleich mit Nichtmenschlichem, wenn Menschen als „Virus“, „Insekten“, „Parasiten“, „Infizierte“ oder „Zombies“ bezeichnet werden — dadurch kann die Empathie der Zuhörenden sinken. Für eine Kakerlake empfindet man schließlich kaum Mitgefühl.
Entmenschlichung ist nicht nur eine theoretische Gefahr, sondern kann einen realen Weg zu Gewalt darstellen. Bei Genoziden des 20. Jahrhunderts (Ruanda, Holocaust, Kambodscha) wurden Opfer wiederholt als „Ratten“, „Kakerlaken“ oder „Infektion“ bezeichnet. Solche Sprache konnte dazu beitragen, massenhaftes Töten psychologisch leichter zu rechtfertigen. Im Krieg wird der Gegner mitunter nicht als Soldat, sondern als „Ziel“, „Objekt“ oder „Terminal“ bezeichnet. Das kann psychologische Distanz schaffen und zugleich die Vernichtung erleichtern. Im Alltag kann Entmenschlichung Mobbing, Diskriminierung, Polizeigewalt und Segregation zugrunde liegen.
Dennoch können wir versuchen, solche Tendenzen bei uns selbst wahrzunehmen und zu kontrollieren, insbesondere durch bewusste Arbeit an unserer Wahrnehmung:
- Achten Sie auf die Sprache, die Sie verwenden und hören: Wo genau verschwindet der „Mensch“?
- Fragen Sie sich: Wenn das ein nahestehender Mensch wäre, würde ich genauso sprechen oder denken?
- Trainieren Sie Empathie. Man muss die Erfahrung eines anderen Menschen nicht teilen, um zu versuchen, sie zu verstehen.
- Machen Sie sich bewusst, dass hinter jedem „Anderen“ eine Geschichte, Gefühle, Ängste und Verletzlichkeit stehen — genau wie bei Ihnen.
Entmenschlichung geschieht meist nicht in einem einzigen Augenblick. Sie kann sich allmählich entwickeln: von einem scheinbar harmlosen Witz bis hin zu Gewalt. Der Weg folgt dabei häufig demselben Muster: von „er/sie“ — zu „es“ — zu „nichts“.
Othering in Sprache und Medien
Sprache ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation. Sie prägt unsere Wahrnehmung. Wenn sich in der Sprache Bilder der „Anderen“ als gefährlich, minderwertig oder „nicht wirklich zugehörig“ festsetzen, werden sie Teil des Denkens. Über Medien kann sich eine solche Sprache schnell verbreiten und verstärken.
Heute lassen sich viele solche Erscheinungsformen beobachten:
1. Durch stigmatisierende Etiketten
- „Sie“ → nicht „Menschen“, sondern „Mob“, „Eindringlinge“, „Bedrohung“.
- Typische Formulierungen:
— „Diese Menschen wollen nicht arbeiten“
— „Sie haben schon wieder alles zerstört“
— „Das brauchen wir nicht“
— „Wir sind nicht wie sie“
2. Durch eine vereinfachte Dichotomie
Die Welt wird in „Gut“ und „Böse“, „Eigene“ und „Fremde“ geteilt. Medien können Informationen beispielsweise so rahmen:
- „Anständige Bürger gegen eine aggressive Minderheit“
- „Wir verteidigen uns gegen sie“
- „Unsere Kultur ist in Gefahr“
3. Durch emotionale Trigger
Es werden Wörter verwendet, die Angst, Ekel oder Aggression hervorrufen.
Beispiele:
- Statt „Flüchtlinge“ — „Flut von Migranten“
- Statt „Demonstrierende“ — „Randalierer“, „Mob“
4. Durch die Auswahl visueller Darstellungen
- Fotos, auf denen Angehörige einer Gruppe aggressiv, ungepflegt oder bedrohlich wirken.
- Bilder ohne Gesichter, die Menschen anonymisieren — etwa nur Hände, Kapuzen oder Silhouetten.
5. Durch Auslassung oder einseitige Darstellung
- Die Stimmen der „Anderen“ kommen nicht vor.
- Der Kontext fehlt.
- Es werden nur extreme, negative Beispiele gezeigt.
All dies kann äußerst gefährlich sein, weil es kollektive Vorurteile formt und die ständige Wiederholung von Stereotypen diese für viele Menschen „selbstverständlich“ erscheinen lassen kann. Außerdem kann es Aggression unterstützen; in Zeiten von Angst und Stress lässt sich eine Gesellschaft leichter gegen einen ausgerufenen „Feind“ mobilisieren. Ebenso kann es deutlich leichter werden, Gewalt und Diskriminierung zu rechtfertigen, wenn „sie“ als nicht ganz menschlich wahrgenommen werden und deshalb vermeintlich anders behandelt werden dürfen. Auch Dialog wird zerstört, wenn Verständnis durch Geschrei und Diskussion durch Kampf ersetzt wird.
Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, braucht es kritisches Denken und einen bewussten Umgang mit Informationen. Auf persönlicher Ebene kann man:
- Medienkompetenz entwickeln. Lernen Sie, emotionale Manipulation, Etiketten und einseitige Darstellung zu erkennen.
- Fakten prüfen. Nutzen Sie unterschiedliche Quellen, darunter auch solche mit anderen Sichtweisen.
- Sich selbst Fragen stellen:
— Wer spricht?
— Wessen Stimmen fehlen?
— Warum wird mir das genau auf diese Weise gezeigt? - Unabhängige und verantwortungsvolle Medien unterstützen.
Auf gesellschaftlicher Ebene ist es wichtig, eine respektvolle Sprache im öffentlichen Diskurs zu fördern, Hate Speech entgegenzutreten und Kindern beizubringen, Manipulation zu erkennen und die „Anderen“ als Gleichwertige zu respektieren.
Medien und Sprache prägen Realität. Wie wir über andere sprechen, beeinflusst, ob wir sie als Menschen oder als Bedrohung wahrnehmen. Othering lässt sich entgegenwirken — aber nur, wenn wir aufhören, passive Konsumenten zu sein, und zu bewussten Lesern werden.
Wie man Othering bei sich selbst stoppen kann
Othering beginnt nicht bei den anderen. Es beginnt bei uns. Bei der Art, wie wir schauen, sprechen und die Welt in „Vertraute“ und „Fremde“ einteilen. Othering zu stoppen bedeutet deshalb, innere Arbeit zu leisten. Das ist jedoch nicht einfach:
- Weil der Mechanismus automatisch abläuft.
Das Gehirn sucht von selbst nach Unterschieden, Etiketten und Mustern. Einteilen, klassifizieren und mögliche Gefahren einschätzen gehört zu unserer Informationsverarbeitung. - Weil die Gesellschaft ihn verstärkt.
Sprache, Medien, Witze und Gruppenzugehörigkeit können zur Trennung drängen: „Wir“ sind gut, „sie“ eher nicht. - Weil es einfacher ist.
Einfacher, nicht zu zweifeln. Einfacher, nicht genauer hinzusehen. Einfacher, ein Etikett anzubringen und weiterzugehen.
Aber lässt sich das ändern? Ja. Doch nur durch Bewusstheit und regelmäßige Übung. Hier sind konkrete Schritte:
1. Achten Sie auf Ihre automatischen Reaktionen
Wenn Sie etwas denken oder sagen wie „die sind alle gleich“, „typisch für solche Leute“, „solche brauchen wir nicht“ — halten Sie kurz inne. Fragen Sie sich: Was mache ich gerade?
2. Trennen Sie die Person vom Bild
Wenn Sie jemanden hören oder sehen, der Ihnen „fremd“ oder „irritierend“ erscheint, fragen Sie sich: Wer ist diese Person, was hat sie erlebt, woher könnten ihre Ansichten oder ihr Verhalten kommen? Das ist keine Rechtfertigung. Es ist eine Erweiterung des Kontexts.
3. Suchen Sie persönlichen Kontakt
Lernen Sie Menschen kennen, die anders sind als Sie. Sprechen Sie mit ihnen, ohne sie unbedingt überzeugen oder mit ihnen streiten zu wollen. Hören Sie zu — nicht, um zu antworten, sondern um zu verstehen. Schon ein echtes Gespräch kann viele Stereotype erschüttern.
4. Achten Sie auf Ihre Sprache
Ersetzen Sie im Gespräch „diese Leute“ → „manche Menschen“, „sie alle“ → „einige von ihnen“, „Fremde“ → „Andere“, „Problem“ → „Situation“. Sprache ist eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten kann man verändern.
5. Erkennen Sie die Komplexität der Welt an
Die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Auch Sie selbst haben nicht nur eine Identität. Sie sind vielleicht Sohn, Bürger, Nachbar, Fachkraft, Fußgänger, Kunde oder Zuschauer. Andere Menschen haben ebenso viele Rollen, Geschichten, Ängste und Hoffnungen.
6. Versuchen Sie nicht, ein „Heiliger“ zu sein
Wir alle neigen dazu, zu kategorisieren. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Wichtig ist nicht, „niemals Fehler zu machen“, sondern zu bemerken, wenn man einen zu einfachen Weg einschlägt, und zurückzukehren.
Kurz gesagt: Was können Sie jetzt tun?
- Beginnen Sie zuzuhören — wirklich zuzuhören.
- Ersetzen Sie Etiketten durch Fragen.
- Verzichten Sie auf pauschale Verallgemeinerungen.
- Achten Sie auf Angst und Scham — um sie herum kann Othering leicht entstehen.
- Sprechen Sie respektvoll mit Menschen, deren Meinung Sie nicht teilen.
Othering bei sich selbst zu stoppen ist kein einmaliger Akt. Es ist ein langer und schwieriger Weg. Doch auf diesem Weg lernen Sie nicht nur die vielfältige und komplexe Welt um sich herum besser kennen, sondern auch sich selbst.
